Marketing ist Verkaufen. Verkaufen ist unanständig.

Ich will kein Marktschreier sein.

Ich will mich nicht verbiegen.

Kommt Dir das bekannt vor? Dreht sich Dir der Magen um, wenn Du daran denkst, dass Du „Dich“, also Dein Unternehmen, vermarkten musst?

Dann geht es Dir so wie es mir ergangen ist.

Du merkst es schon, hier schreibt nicht Carina, hier schreibt jemand anders.

Hallo, mein Name ist Birgit. Ich bin Marketing-Beraterin. 🙂

Als ich mich vor über 14 Jahren als Marketing-Beraterin selbstständig gemacht habe, hatte ich zwar schon zehn Jahre Marketing-Erfahrung, aber das eben immer als Angestellte. Ich hatte immer das Marketing für Produkte oder eben Unternehmen gemacht, die mir nicht gehörten. Ich habe mich zwar „reingehängt“, wie man so schön sagt, aber es waren eben nie meine eigenen „Babys“. Das macht schon mal weniger verletzlich.

Wie schwer es ist, sich selbst zu vermarkten und dabei trotzdem authentisch zu bleiben, sich selbst zu vermarkten und nicht das Gefühl zu haben, sich anzubiedern, sich selbst zu vermarkten und sich nicht als Bananen-Karl oder Aal-Erna vom Hamburger Fischmarkt zu fühlen – oh Mann! – das war super schwer und habe ich schnell selbst gemerkt.

Insofern kann ich verstehen, dass viele Menschen Schwierigkeiten damit haben, sich selbst zu vermarkten.

Dabei ist es einfacher, als Du jetzt denkst. Meine Tipps teile ich heute in meinem Gastbeitrag hier bei Carina mit Dir. Lies weiter!

Anmerkung von Carina: Mit diesem Beitrag nimmt Birgit übrigens gleichzeitig auch an der Blogparade „So heb‘ ich mich ab“ von Eva Laspas aus der Akademie Schreiben lernen teil. Schau unbedingt auch dort mal vorbei!

Bleib Du Du!

Mein erster Rat an Dich ist auch der Wichtigste: Bleib Du Du. Verbiege Dich nicht und lass Dir das nicht von irgendwem einreden. Weder von Deiner Familie noch von irgendwelchen Ratgeber-Büchern. Wenn Dir eine Marketing-Maßnahme nicht behagt, lass sie bleiben. Denn dann verlierst Du sofort Deine Authentizität und glaube mir, Kunden und gerade auch Interessenten haben ein feines Gespür dafür.

Tue Gutes und rede darüber!

Das müssen wir alle erst lernen – ganz besonders in Deutschland. Wer ist nicht mit dem Spruch

„Eigenlob stinkt!“

groß geworden?!

Dabei sage ich inzwischen frei nach Sabine Asgodom: „Eigenlob stimmt!“ – denn nur man selbst weiß am besten, was man gut kann – und als Vogelscheuche neigst Du sicher nicht zur Selbstüberschätzung.

Es ist nicht leicht, positiv über die eigenen Erfolge zu reden, gerade anfangs nicht, denn immer hast Du das Gefühl, ein Blender, ein Aufschneider zu sein und irgendwann kämen Dir sowieso alle auf die Schliche. Darum mein Rat an dieser Stelle (falls Du das nicht sowieso tust): Führe ein geschäftliches Erfolgstagebuch, in dem Du nur die Fakten notierst aber alle erfolgreich abgeschlossenen Projekte und auch die Zwischenschritte fest hältst. Notiere Dir dazu auch die Hindernisse, die Du überwunden hast – und wie Du das geschafft hast.

Das baut einerseits Dein Ego auf, andererseits schaffst Du aber auch einen reichen Anekdoten-Schatz – der wird gleich noch wichtig werden. Ich erzähle Dir nämlich noch, was Du damit anfangen kannst.

Alternativen zur Marktschreierei

Im Marketing gibt es zwei große Methoden, wie man Kunden gewinnen kann. Über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte war eine davon die Marktschreierei – wie sie auch heute noch die großen Marken-Unternehmen pflegen: Das Push-Marketing (von Englisch push = schieben oder drücken). Das ist das, was wir alle nicht mögen und für uns nicht wollen. Werbung wie die halbe Stadt mit denselben Plakaten zu bekleben, im Fernsehen oder Radio immer denselben Spot zu senden, gebetsmühlenartig, bis ihn auch der letzte auswendig kann. Nein, so sind wir nicht!

Aber in den letzten Jahren setzt sich immer mehr eine genau gegenteilige Methode durch: Das Pull-Marketing (von Englisch pull = ziehen – im Sinne von anziehen). Denn das ist doch unser größter Wunsch! Wir wollen mit dem, was wir tun, mit dem, was wir anzubieten haben, die Menschen anziehen. Am besten, sie kommen von allein. Die gute Nachricht ist: Das ist nicht nur möglich, es ist sogar um ein Vielfaches preiswerter als das altbekannte „Drücker-Marketing“.

Content Marketing – Inbound Marketing

Ein Bestandteil des Pull-Marketings ist das Content Marketing. Content heißt zunächst mal nichts anderes als Inhalt. Und über Inhalte kannst Du es schaffen, Deine Expertise unter Beweis zu stellen und die Menschen anzuziehen. Deine Kompetenz, egal ob über eine Dienstleistung oder ein Produkt, ist es doch, mit der Du überzeugen willst. Vielfach höre ich das von meinen Kunden oder auch in den Existenzgründerseminaren, die ich schon oft gegeben habe: „Ich (oder meine Produkte) werde einfach besser sein als (die) meine(r) Mitbewerber!“ – Wenn Du das schaffst, hast Du schon viel gewonnen, aber Du musst es Deine Mitmenschen auch wissen lassen.

Was Du tun kannst, um authentisches Marketing zu betreiben

Ganz im stillen Kämmerlein bleiben kannst Du natürlich nicht. Aber über das Internet sind heute Wege möglich, die es früher einfach nicht gab. Auch und gerade dann, wenn Du ein introvertierter Mensch bist, bieten sich hier zauberhafte Möglichkeiten, auf Dich und Dein Unternehmen bekannt zu machen.

Schreiben – Sprechen – Helfen – die großen 3 des organischen Inbound Marketings

Die Alternativen liegen gerade uns Intros meist sehr. Schreiben, Sprechen, Helfen, das haben wir sowieso im Blut. Jetzt müssen wir das „nur noch“ öffentlich und im Internet machen.

Schreiben

Schreiben meint natürlich das, was ich gerade hier mache: Beginne zu Bloggen. Schreibe regelmäßig, teile Dein Wissen und Deinen Erfahrungsschatz, mache durch qualitativ hochwertige und umfangreiche Artikel auf Dich aufmerksam. Dazu brauchst Du Geschichten, Anekdoten, um das, was Du erzählst auch glaubwürdig untermauern zu können. Hier kommt das Erfolgstagebuch ins Spiel, das zu führen ich Dir eingangs empfohlen habe.

Du kannst nicht nur einen eigenen Blog führen (was ich immer dringend empfehlen würde), sondern auch Gastbeiträge auf anderen Blogs verfassen. So machst Du mit jedem Beitrag, den Du auf einem fremden Blog veröffentlichst, neue Interessentenkreise auf Dich aufmerksam.

Sprechen

Zum Sprechen brauchst Du schon etwas mehr Mut. Jedenfalls ging es mir immer so. Vorträge oder Workshops und Seminare zu halten, ist ein erprobter und zielsicherer Weg zu mehr Bekanntheit und sorgt für eine direkte Beziehung zu Deinen Zuhörern. Doch die Gelegenheiten muss man erst mal bekommen und vielfach bleibt Dir nichts anderes übrig, als bei den Veranstaltern anzurufen oder sie anzuschreiben und Dich anzubieten. Fühlt sich für Dich komisch an? Dann lass es sein und geh diesen Weg:

Alternativ zu Vorträgen kannst Du auch einen Podcast erstellen oder ein Vlog, also einen Videoblog führen, wenn Du ganz mutig bist. Oder Du führst Internet-Seminare, sogenannte Webinare durch. Warum ich das introvertierten Menschen empfehle?

Nun, es gibt Menschen, die reden lieber vor Menschen, andere kriegen dann keinen Ton raus. Dann wiederum gibt es Menschen, die würden nie vor einem Mikro den Mund aufkriegen – anderen macht das überhaupt nichts aus, denn im Moment des Redens sind sie ja für sich allein. Auch bei den Videoaufnahmen sind die einen so, die anderen so gestrickt: Mir macht es nichts aus, ein Webinar zu halten und zu wissen, dass die Menschen, die sich dafür angemeldet haben, mich sehen können. Komischerweise kriege ich die Krise, wenn ich ein Video von mir aufnehme, das dann immer wieder gesendet werden soll. Spannend finde ich, dass ich vor jedem kurzen Facebook-Live-Video viel nervöser bin als vor einem Webinar. Ich mache beides inzwischen trotzdem gern und bekanntlich wird ohne Lampenfieber ja der Auftritt nicht gut.

Fazit: Probiere aus, was sich für Dich richtig anfühlt und teste ein wenig, bevor Du eine Methode endgültig begräbst.

Helfen

Egal, was Dein Geschäft, Dein Business ist: Ich gehe davon aus, dass Du richtig gut kannst, was Du kannst, sonst hättest Du Dich nicht dafür entschieden. Und es gibt sicher eine Menge Menschen, die gerne könnten und wüssten was Du kannst und weißt. Darum mein Rat, wenn Du Pull-Marketing betreiben willst: Sei großzügig und teile Dein Wissen. Wenn Du dabei bescheiden und nett bleibst, ist das die beste Methode, um genau die Menschen anzuziehen, die Du als Kunden haben willst. Womit wir kurz mal bei der Frage der Zielgruppe sind. Du hast natürlich eine Vorstellung davon, wen Du als Kunden ansprechen willst. Mit den alten Methoden des Push Marketings kann das schon mal schief gehen, wenn Du nämlich die falsche Kundenansprache wählst. Gehst Du aber den Weg des Helfens, so wirst Du automatisch mit Deiner persönlichen Art die richtigen Menschen als Kunden anziehen.

Warum ich das so überzeugt schreibe? Weil ich es selbst erlebt habe: Der größte Teil meiner Kunden für meine Skype-Marketing-Coachings und meinen Marketing-Zauber Mastermind-Zirkel kommt über meine Social Media Aktivitäten und meine Hilfsbereitschaft insbesondere in Facebook-Gruppen. Ich habe so super nette und liebe Kunden, die perfekt zu mir und dem, was ich kann und anzubieten habe, passen. Vor einigen Wochen habe ich dann testweise einmal Google Adwords geschaltet. Zuerst war ich begeistert: Mit sehr geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand hatte ich neue Kunden gewonnen. Aber die waren „komisch“. Die wollten Unterstützung in einer Form und für ein Marketing, das ich persönlich unethisch finde – ich muss nicht extra betonen, dass die nach kurzem Gastspiel nun nicht mehr meine Kunden sind. Und ich bin froh darüber!

Helfen kann ganz unterschiedlich aussehen. Du kannst Dich im echten Leben ehrenamtlich engagieren oder auch in passenden Vereinen im Vorstand mitarbeiten (die suchen immer Unterstützung!) oder Du mischst beispielsweise auf Facebook oder XING in zu Deinem Geschäft passenden Gruppen mit. Auch auf Google+, das sonst als Social Media Plattform kaum noch Bedeutung hat, gibt es noch sehr aktive Communities, in denen Du Dich helfend einbringen kannst.

Was Du nicht tun willst

Um also ein authentisches Pull-Marketing zu betreiben, hast Du eine ganze Reihe von Möglichkeiten und Chancen. Deine Authentizität setzt Du allerdings mit folgenden Verhaltensweisen ganz schnell aufs Spiel:

Falsche oder leere Versprechungen machen

Beobachte, was Dich selbst abstößt. Ich mag beispielsweise falsche Versprechungen überhaupt nicht. Bei Sprüchen wie „mit meiner Methode gewinnst Du in nur 30 Tagen garantiert drei neue Kunden und verdienst mindestens 3000 Euro“ kriege ich die Krätze.

Vorschriften oder Gesetze missachten

Es gibt sie, die Menschen, die permanent und bewusst nach der Methode, wo kein Kläger, da kein Richter, verfahren. Ich finde das unethisch und würde mich dafür verachten, wenn ich so handeln würde. Und dann würde ich sofort meine Authentizität verlieren – bäm. Der Interessent merkt’s und wendet sich ab.

Unbeständig und unzuverlässig sein

Ich habe einen kurzen Merkspruch, den ich immer wieder gern verwende: „Kontinuität geht vor Kreativität“ – das gilt in ganz vielen Lebensbereichen und eben auch im Marketing. Wenn Du angefangen hast, regelmäßig zu bloggen, einen Podcast zu veröffentlichen oder Webinare zu geben, dann halte Deinen Redaktionsplan auch ein. Deine Leser, Hörer oder Teilnehmer erwarten es von Dir. Wenn Du hier schon versagst, wieso sollten sie Dir dann ihr Geld anvertrauen?

Zum Abschluss: Sieben Kostbarkeiten für Dein authentisches Marketing

1) Handle immer so, dass Deine Kunden Dir blind vertrauen können
2) Zeige Deine Persönlichkeit
3) Pflege Dein Netzwerk, gib, bevor Du nimmst
4) Verkaufe Deine Seele nicht und bleibe integer in dem was Du sagst und tust
5) Biete Nutzen und Mehrwert
6) Kommuniziere schnell und offen
7) Teile Dein Wissen, wo immer es geht

Fazit: Authentisches Marketing ohne Marktschreierei erfordert vielleicht etwas längeren Atem, etwas Mut und etwas mehr Überlegung als das althergebrachte Push-Marketing. Letztlich ist es aber gerade für introvertierte Unternehmerinnen und Unternehmer der richtige Weg, der viel Spaß machen kann und besonders deshalb erfolgreich ist, weil er die richtigen Kunden anzieht.

Zur Autorin:

Mein Name ist Birgit Schultz und ich bin Marketing-Beraterin und Social Media Expertin. Seit 1993 bin ich im Marketing tätig und seit 2003 selbstständige Marketing-Beraterin. Mein persönliches Motto lautet, „Wissen wird mehr, wenn man es teilt“. Auf Marketing-Zauber zeige ich Dir, wie Du Dein lokales Unternehmen sowohl im Internet als auch im „echten Leben“ bekannter machen kannst, um mehr Kunden zu gewinnen.

Besuche Birgit im Netz:

http://www.marketing-zauber.de/

Marketing-Zauber auf Facebook

Und jetzt zu dir: Welche Erfahrungen hast du selbst schon mit authentischem Marketing gemacht? Welche Gedanken beschäftigen dich zu dem Thema? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

7 Kommentare

  1. Elke

    Liebe Birgit,
    vielen Dank für diesen Artikel, der einfach Mut macht und mit dem du mir den sanften, aber nachdrücklichen Tritt in den Allerwertesten gegeben hast, den ich mal wieder gebraucht habe.
    Theoretisch ist mir das ja alles klar, nur bei der Umsetzung hapert es manchmal, weil der innere Schweinehund einfach übermächtig ist und mal wieder gebändigt gehört.
    Du sprichst mir absolut aus der Seele – wenn ich „in 30 Tagen garantiert blablabla“ lese, da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ich bin gespannt, ob Triggerwörter wie „garantiert“ nicht irgendwann ihre Wirkung verlieren, weil sie einfach zu oft genutzt werden.
    Nochmal danke für diesen Denkanstoß!
    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten
    • Carina Reitz

      Liebe Elke,

      vielen Dank für dein wundervolles Feedback! Das zeigt, dass Birgit mit ihrem Beitrag einen Nerv getroffen hat. Ich glaube, sie spricht vielen Solopreneuren aus der Seele (mir natürlich ebenfalls). Wenn wir es schaffen, uns von dem Einheits-Blabla zu lösen, ebnen sich uns garantiert neue Wege im Marketing – und zu den Kunden, die wirklich zu uns passen 🙂

      Liebe Grüße
      Carina

      Antworten
  2. Birgit Schultz

    Liebe Elke,
    das ist das Merkwürdige an uns Menschen: Die Triggerwörter funktionieren einfach. Egal ob „garantiert“, „kostenlos“oder „neu“ – selbst wenn man die Mechanismen kennt, fällt es schwer, sich denen zu entziehen. Dasselbe mit den Schwellenpreisen.

    Was den Tritt in den Hintern betrifft: Gern geschehen. 😉

    Zauberhafte Grüße
    Birgit

    Antworten
  3. Eva Laspas

    Liebe Birgit, liebe Carina,
    danke für euer Mitwirken bei meiner Blogparade – so macht Netzwerken Spaß! 😉

    Antworten
    • Carina Reitz

      Liebe Eva,

      sehr gerne 🙂 Ich wünsche dir noch viele tolle Beiträge für deine Blogparade!

      Liebe Grüße
      Carina

      Antworten
  4. Karin

    Herzlichen Dank für diesen wertvollen Betrag. Klasse auf den Punkt gebracht und super authentisch & sympathisch.
    Grüsse von Karin

    Antworten
    • Carina Reitz

      Liebe Karin,

      vielen Dank für dein Feedback. Wir freuen uns, dass dir der Artikel so gut gefällt <3

      Liebe Grüße
      Carina

      Antworten

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