Seit knapp drei Jahren hat sich mein Leben radikal verändert, seit knapp zwei Jahren dann gleich noch einmal. Was ist passiert? Vor drei Jahren habe ich angefangen zu bloggen und Facebook für mich zu entdecken, vor knapp zwei Jahren entdeckte ich dann noch eine Internetseite, die mein Leben von Grund auf verändern sollte.

Was das alles mit dem Beitrag von heute zu tun hat? Ganz einfach – durch diese beiden Veränderungen in meinem Leben habe ich die Vorteile eines guten Netzwerks schätzen gelernt.

Wie alles begann …

Ich habe eine Passion. Diese Passion sind die Sprachen dieser Welt. Seit vielen Jahren schon beschäftige ich mich mit dem Sprachenlernen, zuerst als Schüler, dann als Lehrer, inzwischen wieder als Schüler und auch als Lehrer. Als ich mit Anfang 20 begann, Sprachen für mich zu entdecken – vorher waren sie ein leidiges Übel, das man eben in der Schule lernen musste -, gab es noch kein Internet und keine Möglichkeiten des Netzwerkens. Auf ein Buch aus dem Ausland musste man drei Monate warten, auf Briefe und Postkarten aus anderen Ländern mindestens drei bis sechs Wochen. Man hatte damals in den Achtziger Jahren Freunde vor Ort und sonst nirgends. Netzwerk? Fehlanzeige.

Das ist natürlich für das Sprachenlernen eher hinderlich. In meinem Umfeld gab es so gut wie niemanden, der mit mir Italienisch oder Französisch sprechen konnte oder wollte. Notgedrungen lief alles über Brieffreundschaften ab, mit den damit verbundenen Zeitverzögerungen. Glücklicherweise änderte sich das mit dem Internet …

Die ersten Ansätze eines Netzwerks …

Die ersten Ansätze eines Netzwerks ergaben sich Ende der Neunziger Jahre, als plötzlich E-Mails verschickt werden konnten und die Universität Bochum einen sogenannten Tandemserver einrichtete, der es mir ermöglichte, Freunde im Ausland zu finden! Im Ausland! Wie exotisch das klang!

Einige Freundschaften, die damals entstanden sind, bestehen heute noch. Damals, nach der Geburt meiner Kinder, habe ich auch angefangen, als Sprachlehrerin zu arbeiten – und ab diesem Zeitpunkt merkte ich, wie wichtig ein Netzwerk war und bis heute ist.  Immer wieder waren damals Sprachfragen zu klären – wen hätte ich fragen sollen? Natürlich meine Freunde im Ausland! Da diese Menschen Deutsch lernten, war das auch kein einseitiges Ausnutzen, sondern lief immer auf der Basis „Hilfst du mir, dann helfe ich dir“ ab.

Mein Blog …

Als ich dann meinen Blog startete, wurde ein Netzwerk immer wichtiger. Erstens wurden die Fragezeichen in meinem Kopf immer größer, ständig tauchten Probleme auf, von denen ich bis dahin noch nicht einmal wusste, dass ich sie jemals haben würde. Zweitens wollte ich ja, dass mein Blog gelesen wird. Also wurde ich auf Facebook aktiv, und auch wenn Birgit, die auch schon einen Artikel für diesen Blog geschrieben hat, nur mäßig überzeugt von meiner Strategie ist, schätze ich es von Tag zu Tag immer mehr, auf ein Netzwerk zurückgreifen zu können.

Ich kann ja nur Sprachen!

Ich habe mich allerdings nie zielgerichtet mit Leuten angefreundet. Ich freunde mich mit Menschen an, weil ich sie mag, weil sie mir sympathisch sind, weil ich gerne mit ihnen kommuniziere. Auf Facebook bin ich vielen dieser Menschen begegnet, zuerst nur virtuell, inzwischen kenne ich einige schon persönlich!

Was mir dieses Netzwerk bringt? Antworten auf meine Fragen. Hilfestellung, wenn ich mich in irgendeine Idee verrannt habe, die dann aber keinen Markt hat. Objektive Meinungsäußerungen zu meinen Problemen. Und ab und zu auch Trost und seelische Unterstützung.

Und selbst wenn ich aktiv keine Fragen stelle, lerne ich aus den Diskussionen innerhalb der großartigen Facebook-Gruppen. Wie oft habe ich schon in Gruppen einfach still mitgelesen und so meine Probleme selbst gelöst!

Netzwerken … die Vorteile

Der größte Vorteil ist, dass diese vielen Menschen mein Leben bereichern. Ich liebe es, mit ihnen in Kontakt zu treten – und das bei weitem nicht nur bei Problemen! Nein, wir schreiben auch häufig „einfach so“, kommentieren gegenseitig unsere Einträge oder sind beispielsweise über den Facebook Messenger oder über WhatsApp verbunden. Besonders erwähnen möchte ich da unsere großartige Mastermindgruppe Denkfabrik, in der auch Carina Mitglied ist. Birgit, die ich weiter oben erwähnt habe, übrigens auch.

In der Denkfabrik ist der unschätzbare Vorteil, dass alle Mitglieder dein Problem – so klein, groß, profan oder abwegig es auch sein mag – ernst nehmen und jeder seine objektive Sicht darauf äußert. Das ist manchmal Gold wert, denn man selbst ist ab und zu wie vernagelt und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Da tut ein Blick von außen durchaus not – genervte Familienangehörige oder Freunde im normalen Leben sind dafür nicht immer die erste Wahl! Die Denkfabrik aber schon.

Selbstverständlich steht auch das „Hilfe, ich habe ein Problem, wer kann mir helfen?“ in der Reihe der Vorteile. Ein Facebook-Bekannter bastelte mir einem Linkcode – dafür las ich dann seine Blogartikel Korrektur. Ein anderer Facebook-Bekannter fragte mich, ob ich mir seine Webseite mal anschauen könnte. Das tat ich auch – ohne Gegenleistung. Die bekam ich dann wiederum aus einer Computergruppe in Facebook: Ich hatte schon nachts um 23.00 Uhr meine Blogstruktur zerschossen und wusste nicht, was ich tun sollte. Dank eines Mitglieds dieser Gruppe (dessen Namen ich vorher noch nie gehört hatte) lief nach einer halben Stunde alles wieder! Und das sogar ohne Gegenleistung. Wie gesagt: Ich kann ja nur Sprachen.

Ich kann ja nur Sprachen …

Häufig frage ich mich dann. Was kann ich den Menschen als Gegenleistung bieten? Ein Netzwerk funktioniert nämlich nur, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen helfen und geholfen werden besteht.

Was aber, wenn ich demjenigen, der mir mit meinem Blog hilft, überhaupt nicht helfen kann, weil er keine Sprache lernt? Ich finde das nicht so schlimm. Ich glaube, dass ein Netzwerk im Großen funktionieren sollte: Jemand hilft mir, ich helfe dafür jemandem mit einem Sprachenproblem, derjenige hilft wiederum jemandem mit einem medizinischen Problem, der nächste … und so weiter. Ich bin davon überzeugt, dass so die Hilfe, die ich ursprünglich in Anspruch genommen habe, wieder an den zurückgeführt wird, der mir die Hilfe angeboten hat – nur eben über drei, fünf oder zehn Umwege.

Das funktioniert sogar im wirklichen Leben so. Ich habe in einem meiner Italienischkurse einen Kinderarzt. Mein Bruder, der in Kanada lebt, hatte eine spezielle Kinderarzt-Frage, die ich diesem Kinderarzt gestellt habe. Dafür helfe ich diesem dann bei eventuellen Italienischübersetzungen. Dieser Kinderarzt hat sich übrigens auch um mich gekümmert (per Anruf, Mailkontakt, Ferndiagnosen und Therapievorschlägen), als ich im Dezember krank zu Hause lag – obwohl ich für Kinderärzte eigentlich schon viel zu alt bin. Solche Menschen sind Gold wert – im wirklichen Leben und im Internet!

Mein internationales Netzwerk

Vor knapp zwei Jahren hat sich mein Leben noch einmal radikal verändert. Im Sommer 2015 habe ich nämlich die Internetseite Italki für mich entdeckt. Auf dieser Seite kann man Sprachpartner im Ausland finden, mit denen man dann über Skype sprechen kann. Das war für mich die Revolution! So habe ich festgestellt, dass das genau die richtige Methode für mich ist, um eine Sprache zu lernen und dass auch diese Menschen mein Leben sehr bereichern.

Personalisiertes Sprachenlernen

Viele dieser Sprachpartner kenne ich inzwischen persönlich und sie sind zu guten Freunden geworden. Wir treffen uns in Deutschland oder im Ausland, verstehen uns prächtig und helfen uns gegenseitig beim Erlernen der jeweiligen Sprache. Meine Partner lernen von mir Deutsch, ich lerne von ihnen Französisch, Italienisch und Spanisch. Mit manchen habe ich sogar richtige „Deals“: Einige Partner bekommen nämlich täglich eine sogenannte „Sprachfrage des Tages“, die sie mir beantworten müssen. Dadurch machen sie kontinuierlich Fortschritte in der deutschen Sprache – und ich sehe, wo bei ihnen die sprachlichen Probleme liegen, und kann ihnen helfen, diese in den Griff zu bekommen. Als Gegenleistung – selbstverständlich läuft das immer auf freiwilliger Basis ab – erhalte ich „Preguntitas del día“ oder „La devinette du jour“, und meine Sprachpartner lachen sich manchmal einen Ast wegen meiner höchst kreativen, aber absolut falschen Antworten.

Mit Carlos in Spanien und Jonathan in Frankreich (Jonathan habe ich erst gestern im Elsass getroffen und Carlos kommt in 6 Wochen für 10 Tage zu Besuch) geht es sogar noch weiter. Carlos bekommt häufig einen interessanten Zeitungsartikel von mir über WhatsApp vorgelesen. Ich schicke ihm auch die schriftliche Variante – so kann er hören und lesen und macht schnell Fortschritte in Deutsch. Jonathan macht mir täglich (!!!) eine fünf- bis zehnminütige Vokabellektion als WhatsApp-Sprachnachricht in Französisch, ich mache für ihn eine Lektion gleicher Länge in Deutsch. Carlos liest mir momentan Kapitel aus einem Sprachenbuch in Spanisch vor. So mache ich in diesen Sprachen schnelle Fortschritte – und meine Partner auch.

Außerdem sind einige meiner Sprachfreunde auch auf Memrise (das ist das Programm, mit dem ich mein Vokabellernen organisiere), und wir vertonen gegenseitig unsere Kurse. Personalisierteres Lernen ist wohl kaum möglich.

Dass wir, also mein Mann und ich, immer ein offenes Haus im Ausland finden und meine Sprachfreunde bei uns, ist dann ja logisch, oder?

Netzwerken = Freundschaften + berufliche Kontakte

Das Netzwerk beschränkt sich aber nicht alleine auf Freundschaften oder Facebook-Kontakte, sondern betrifft auch mein berufliches Leben. Ich arbeite ja als Sprachlehrerin an einem Institut bei uns in der Gegend. Im Rahmen meiner Sprachaktivitäten, ganz gleich ob beruflicher oder privater Natur, habe ich immer wieder Sprachfragen: Kann man das so sagen? Wie übersetzt man …? Welche Variante klingt besser: A oder B? Meine Sprachfreunde, aber auch verschiedene Facebook-Sprachgruppen helfen mir da weiter.

In den letzten Jahren habe ich immer mehr meine Aktivitäten auf das Internet ausgeweitet und auch ein Buch geschrieben. In meinem Blog brauche ich immer wieder Interviewpartner, Sprachexperten, Schüler, Lehrer – eben Menschen, die Sprachen lieben, lernen und lehren. Wo ich diese finde? Natürlich über mein Netzwerk – an meiner Haustür klingeln sie nämlich nicht.

Über meinen Blog habe ich auch Kontakte zu Verlagen, Online-Sprachschulen, Sprachreise-Vermittlungs-Firmen und anderen Firmen knüpfen können und dadurch schon etliche bezahlte Kooperationen auf meinem Blog und zwei dauerhafte Arbeitsstellen (ok, eine davon war eine Pleite, denn ich habe viel gearbeitet und noch kein Geld bekommen, aber das ist eine andere Geschichte) bekommen. So rechnet sich ab und zu ein Netzwerk auch finanziell.

Aber viel wichtiger für mich sind die vielen Menschen, die ich durch meinen Blog, meine Facebookseite, meinen Beruf und vor allem meine Sprachen kennengelernt habe! Ohne sie wäre mein Leben nur halb so schön! Und wenn mir jemand sagen würde: „Wenn du all diese Kontakte aufgibst, zahlen wir dir 5000 Euro pro Monat!“ – dann würde ich glatt ablehnen!

Genau diese Erfahrungen wünsche ich dir auch!

Zur Autorin:

Ich heiße Christine Konstantinidis und bin schon seit Jahrzehnten im Sprachenbereich tätig. Ich unterrichte hauptsächlich Italienisch, mache Übersetzungen, begleite Lerner auf ihrem Weg des Sprachenlernens mit Lerncoaching und schreibe auf meinem Blog „Erfolgreiches Sprachenlernen“ (https://erfolgreichessprachenlernen.com/ ). Außerdem schreibe ich Blogartikel für CourseFindersGermany. Auf Facebook bin ich unter www.facebook.com/erfolgreichessprachenlernen zu finden.

Natürlich beschäftige ich mich nicht nur beruflich mit Sprachen, sondern auch privat. Meine große Leidenschaft ist momentan, Spanisch zu lernen! Ich liebe es auch zu reisen, am liebsten in Länder, deren Sprache ich sprechen kann. Lesen ist ebenfalls eine meiner Leidenschaften, außerdem schaue ich gerne Kinofilme, gehe leidenschaftlich gerne essen (am liebsten italienisch, spanisch, orientalisch und österreichisch) und bin ab und an süchtig nach Schokolade. Zudem arbeite und lese ich gerne in Cafés.

Basketball finde ich toll und gehe häufig zu den Heimspielen der Brose Baskets Bamberg. Aktiv gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio und mache Spaziergänge mit meinem Hund. Fahrradfahren ist im Sommer aktuell (im Winter ist mir das zu kalt), Joggen erst dann, wenn mein Fersensporn abgeheilt ist.

Ich liebe es, gut organisiert zu sein! Und ohne mindestens zwei Bücher, mein Handy und meinen iPod gehe ich nirgends hin!

Was kannst du besonders gut? Was sind deine Erfahrungen mit deinem persönlichen Netzwerk? Wobei lässt du dir helfen? Wie revanchierst du dich? Das sind Fragen, die mich interessieren! Und ich freue mich, wenn du in mein persönliches Netzwerk kommst, egal ob du mit Sprachen zu tun hast oder nicht!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Wenn du die Kommentarfunktion verwendest, wird aus Sicherheitsgründen auch deine IP-Adresse gespeichert. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert. Weitere Informationen über die Datenspeicherung und -Verarbeitung findest du in meiner Datenschutzerklärung