Doch, du hast richtig gelesen. Der Titel ist vollkommen ernst gemeint. Wie ich zu diesem Vergleich komme? Nun ja, zum einen bin ich Coach für Introvertierte. Und zum anderen faszinieren mich Vogelscheuchen schon seit längerem. Deshalb sind mir irgendwann auch gewisse Parallelen aufgefallen. In diesem Artikel erzähle ich dir, was Introvertierte mit Vogelscheuchen verbindet – und warum das ganz wundervoll ist.

 

Neugierig? Dann lies gleich weiter.

1. Du bist irgendwie anders – und hast dich trotzdem angepasst

Ok, das ist gleich zu Anfang ein eher kniffliges Merkmal. Denn irgendwie ist jeder von uns auf die eine oder andere Weise anders als die anderen. Das Anders-Sein drückt sich bei Introvertierten oft darin aus, dass sie ein besonderes Talent bzw. eine außergewöhnliche Fähigkeit haben, die aber nicht wirklich zur Geltung kommt. Sie schlummert also im Verborgenen. Und genau das ist bei Vogelscheuchen oft ähnlich – in ihnen schlummert mehr, als man augenscheinlich annehmen könnte. Du erinnerst dich vielleicht an die Vogelscheuche im Zauberer von Oz? Da hast du’s! 😉

Aber warum schlummern die Talente von Introvertierten oft im Verborgenen? Dafür gibt es vielfältige Gründe:

  • Das Talent wurde nie gefördert.
  • Du hast noch nie so richtig gewusst, was du damit anfangen sollst.
  • Es ist dir peinlich, diese Fähigkeit zu haben.
  • Du willst nicht für verrückt erklärt werden.
  • Du willst nicht als Außenseiter dastehen.
  • Du hast Angst vor negativen Konsequenzen.
  • Du hast Angst zu scheitern.

 

Diese Liste ließe sich noch beliebig erweitern, sicher fallen dir auch noch andere, ganz persönliche, Gründe ein. Und ebendiese sind der Grund dafür, dass du dich angepasst hast. Du schwimmst mit dem Strom, anstatt deine eigenen Spuren zu hinterlassen. Aber genau das macht dich unvollständig – du weißt, was ich meine, oder?

2. Du stehst im Schatten der anderen

Da haben wir das klassische Vogelscheuchen-Dasein. Dabei machst du das oft sogar ganz freiwillig. Dabei übernimmst du immer eine wichtige Rolle – bei einem Theaterstück wärst du der Regisseur und bei einer Band der Manager – aber im Rampenlicht stehen immer andere. Trotzdem bist du weder neidisch, noch verbittert. Du freust dich mit der Rampensau und weißt um den Anteil, den du an deren Erfolg hast. Aber trotzdem: ganz tief in dir drin liegt der Wunsch verborgen, irgendwann einmal den Schatten hinter dir zu lassen und in deinem ganz eigenen Licht zu erstrahlen.

3. Du wirst übersehen

Menschen erinnern sich nicht an deinen Namen. Du hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Das ist eben das Blöde am Schattendasein. Du wirst nicht gesehen. Oder zu spät. Weil andere die Sicht auf dich versperren. Weil du selbst auch gar nicht gesehen werden willst. Weil dir die Ausstrahlung fehlt – glaubst du. Und das führt uns gleich zum nächsten Punkt.

4. Dir mangelt es an Selbstvertrauen

An Selbstvertrauen mangelt es vielen Menschen. Einer Vogelscheuche aber hauptsächlich deswegen, weil sie es nie geschafft hat, zu ihrer Einzigartigkeit zu stehen. Eigentlich findet sie sich nämlich ganz gut deswegen – das behält sie aber lieber für sich. Die Gründe dafür habe ich weiter oben bereits genannt. Und genauso ist es bei uns Introvertierten eben auch oft.

Wenn du nicht an dich und deine Fähigkeiten glaubst, ist es schwer, das Schattendasein hinter dir zu lassen. Dann ist es einfacher, in der ach so bequemen Komfortzone zu bleiben. Wer weiß denn auch schon, ob du es überhaupt schaffen würdest? Wer sollte dich denn gut finden, nur weil du etwas besonders gut kannst? Und warum hättest ausgerechnet du es verdient, im Rampenlicht zu stehen? Eben. Mit diesem geringen Maß an Selbstvertrauen wird das nichts. Da bleibt dir nur das Stoppelfeld.

(Wenn du nach diesen Zeilen innerlich aufgeschrien und gedacht hast „Hör‘ mal Carina, so kannst du aber nicht mit mir reden“, dann ist das ein gutes Zeichen 😉 )

5. Niemand glaubt an dich

Ein weiteres typisches Vogelscheuchen-Problem ist, dass sie ziemlich allein dasteht. Niemand glaubt an sie. So fühlt es sich zumindest an: „Warum traut mir niemand etwas zu?“ Kennst du?

Dann stelle ich dir genau jetzt die Gegenfrage: Traust du es dir selbst denn zu? Und wenn nicht, wieso sollen es dann andere tun? Wenn du an dich selbst glaubst, strahlst du Stärke und Selbstsicherheit aus. Das beeindruckt andere. Wenn du vermittelst: „Wer, wenn nicht ich, soll das Ding hier rocken?“, wirst du andere Menschen mit dir ziehen. Versprochen.

6. Du fühlst dich missverstanden und nicht ernst genommen

Dieser Aspekt ist eine Folge aus den oben genannten. Wenn du dich angepasst hast, ständig im Schatten anderer lebst und ein geringes Selbstvertrauen hast, fällt es dir schwer, für dich selbst Stellung zu beziehen. Dich und deine Fähigkeiten zu „promoten“. Wenn du dich nicht klar ausdrückst, entstehen Missverständnisse. Und wenn du nicht an dich selbst glaubst, wirst du auch nicht ernst genommen. Der Schlüssel liegt also in dir und nicht bei den anderen.

7. Typisch Intro

Wenn Vogelscheuchen „echte“ Lebewesen wären, wären sie mit Sicherheit introvertiert. Davon bin ich überzeugt. Und das ist dann die größte Gemeinsamkeit, die ich feststellen kann 🙂

Um Missverständnissen vorzubeugen will ich an dieser Stelle nochmal kurz klarstellen, dass introvertiert nichts mit Schüchternheit zu tun hast. Introvertierte Menschen haben es einfach gerne ruhiger, sie kuscheln sich tendenziell lieber zuhause mit einem guten Buch in den Lieblingssessel, als auf eine laute Party zu gehen. Introvertierte Menschen sind soziale Kontakte ebenso wichtig wie extravertierten, allerdings geht hier Qualität vor Quantität. Außerdem brauchen sie regelmäßig Zeit für sich, um in Ruhe nachzudenken und sich zu erholen. Nur so können sie ihre Akkus wieder aufladen.

Geht das dann überhaupt mit dem Rampenlicht? Und wie! Viele prominente und weniger prominente Rampensäue sind im Grunde eher introvertiert. Wenn sie nicht im Rampenlicht stehen, ziehen sie sich gerne in ihr Privatleben zurück. Du kannst in einem Bereich deines Lebens eine Rampensau sein und in einem anderen Bereich eine Vogelscheuche bleiben. Die Entscheidung liegt allein bei dir 🙂

In meinen Augen sind wir uns also ziemlich ähnlich – wir Intros und die Vogelscheuchen. Deshalb ist dieses Wort für mich auch in keiner Weise negativ besetzt. Ganz im Gegenteil. Vielleicht trägt dieser Artikel ja dazu bei, dass Vogelscheuchen (und Introvertierte) in einem anderen, strahlenderen, Licht erscheinen. Das wäre wirklich schön.

Ist es schlimm, so zu sein, wie du bist? Nein. Ganz im Gegenteil. Du bist ein wundervoller Mensch. Schwierig wird es dann, wenn die Sehnsucht nach der Entfaltung deiner Einzigartigkeit so groß ist, dass es schon weh tut. In diesem Fall sollten wir uns unterhalten. Auch du kannst es schaffen, aus dem Schatten zu treten und in deinem eigenen Licht zu erstrahlen.

Woher ich das alles weiß? Ich bin selbst eine Vogelscheuche – aber in manchen Bereichen meines Lebens auch eine Rampensau 😉

Und wie steht’s mit dir? Bist du eine Vogelscheuche? In welchem Bereich deines Lebens würdest du gerne eine Rampensau sein? Verrate es mir in den Kommentaren, ich bin gespannt!

6 Kommentare

  1. Claudia

    Nach deiner Definition bin ich auf jeden Fall eine Vogelscheuche. Wobei ich den Begriff Vogelscheuche abwertend finde. Vogelscheuchen sind häßlich und sollen abschrecken. Außerdem stehen sie ja doch exponiert auf dem Feld.
    Ich hab mich ziemlich arrangiert mit meiner Introvertiertheit und damit, dass ich mich nichts ins Rampenlicht wage. Hab aber auch keine beruflichen Ambitionen mehr
    Wenn ich nochmal gerne eine Rampensau sein könnte, dann im Bereich Musik.

    Die Punkte, die du angeführt hast, treffen allesamt auf mich zu.

    Antworten
    • Carina Reitz

      Liebe Claudia,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich weiß, dass ich mit dem Begriff polarisiere. Ich will damit ein bestimmtes Gefühl in den Menschen ansprechen und ich glaube, das gelingt mir mit der Vogelscheuche ganz gut 😉 Ich persönlich finde Vogelscheuchen auch sehr geheimnisvoll und das macht diese Menschen total interessant – sie sind alles andere als oberflächlich und deshalb mag ich sie so.

      Und übrigens: es ist nie zu spät, eine Rampensau zu sein 😉

      Ganz liebe Grüße
      Carina

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  2. Jutta Jorzik-Oels.

    Ertappt! Mit 20, 30 war ich die gruseligste Vogelscheuche, die man sich vorstellen kann. Jetzt ist davon nicht mehr viel übrig. Na gut, so ein, zwei Lamettastreifen flattern da noch an der Schulter.. und hier und da ein kleines Federchen.

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    • Carina Reitz

      Liebe Jutta,

      ich freue mich, dass meine Definition so gut bei dir ankommt. Bewahre dir ruhig deine Lamettastreifen und Federchen, manchmal ist es ganz gut, eine Vogelscheuche zu sein 😉

      Herzliche Grüße
      Carina

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  3. Silke Steigerwald

    Wieder ein super toller Artikel von dir, liebe Carina.
    Es ist herrlich gewesen, mich in deinem Text wahrzunehmen.
    Ich sprang gedanklich von Rampensau zur Vogelscheuche und zurück.
    Und entdeckte dabei folgendes: vielleicht eine „Vogelgescheuchte Rampensau“! 😉

    Herrlich dein Text.
    Liebe Grüße Silke

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    • Carina Reitz

      Eine „vogelgescheuchte Rampensau“ – das ist herrlich, liebe Silke! Muss ich mir unbedingt merken. Danke für dein tolles Feedback, ich freu mich jedes Mal riesig über deine Kommentare 🙂

      Liebe Grüße
      Carina

      Antworten

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