Ich bin introvertiert. Na und?

 

Heute kann ich das so sagen. Früher wäre das nicht möglich gewesen, denn ich war wirklich seeeehr zurückhaltend und wollte auf keinen Fall auffallen – vor allem nicht negativ.

 

Mittlerweile weiß ich ziemlich gut, wer ich bin und was ich kann und habe kein Problem damit, dazu zu stehen. Bis hierhin war es ein langer und manchmal auch ein echt harter Weg. Vollgepackt mit wertvollen Erfahrungen. Es hat sich definitiv gelohnt.

 

Ich habe Selbstbewusstsein erst lernen müssen. Zum Glück ist das möglich. Wie genau, erfährst du in diesem Artikel.

Selbstbewusstsein kann man lernen

Es gibt Menschen, die strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Schon immer. Es liegt ihnen einfach in den Genen. Die einen kommen schon so auf die Welt, andere sind, wie ich, eher introvertierte Zeitgenossen. Die gute Nachricht: das muss nicht so bleiben. Du hast es selbst in der Hand, Selbstbewusstsein lässt sich lernen. Ich stelle dir im Folgenden 5 Tipps vor, wie du das schaffen kannst. Anschließend verrate ich dir noch, was mir selbst am meisten geholfen hat.

Tipp 1: Negative Gedanken löschen

Negative Gedanken lähmen. Das wissen wir alle. Deshalb fällt es uns auch so schwer, wenn es um Veränderungen geht. Wir machen uns viel zu viele Gedanken darum, was schief gehen könnte. Wir beschäftigen uns vornehmlich mit den Risiken, dabei kann eine Veränderung auch so viel Gutes mit sich bringen.

 

Viele blockierende Gedankenmuster schleppen wir schon seit unserer Kindheit mit uns herum. Sie manifestieren sich in Glaubenssätzen und werden zu unseren inneren Antreibern. „Alles muss perfekt sein!“ Das ist so ein Antreiber. Oder auch dieser hier: „Ich muss es allen recht machen!“ Dabei ist eines klar, MÜSSEN tust du schon mal gar nichts. Aber es ist trotzdem schwer, sich von einem festen Denkmuster zu lösen. Ich empfehle dir folgende 3 Schritte:

 

  1. Spüre deine behindernden Wertvorstellungen und Antreiber auf und mache sie dir bewusst. Nimm sie intensiv wahr und betrachte sie ausgiebig.
  2. Wenn du deine Selbstbewusstseinsbremsen gefunden hast, geht es darum, sie zu schwächen. Nimm ihnen ihre Bedeutung. Dazu stellst du dir eine konkrete Situation vor, in der dich dein Antreiber ausgebremst hat. Und jetzt spielst du mit ihr. Male einen bunten Rahmen darum. Setze den beteiligten Personen Clownsnasen oder bunte Hüte auf. Lass Musik im Hintergrund laufen. Und so weiter. Es sind deine Gedanken, mach damit, was du willst 🙂 Wenn du magst, kannst du dir dann auch noch vorstellen, wie es idealerweise hätte laufen sollen. Wie hättest du es dir gewünscht?
  3. Wiederhole Punkt 2 so oft und so lange, bis die Situation nicht mehr schwer auf deiner Seele liegt. Bis sie bedeutungslos geworden ist. Wie fühlt sich das an?

 

Eine weitere wirksame Methode, um blockierende Gedankenmuster und schlechte Gefühle loszuwerden, ist die, einen geeigneten Gegenpol zu finden und diesen zu ankern. Wie das geht, erfährst du später noch.

Tipp 2: Neu anfangen

Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und bist ein anderer Mensch. Selbstbewusst und stark. Wie wäre das? Und was spricht dagegen?

 

Entscheide dich einfach dafür: „Ab Tag X bin ich ein selbstbewusster Mensch“. Super ist es, wenn du dazu einen Tag wählen kannst, der sowieso eine Wende in deinem Leben darstellt, z. B. bei einem Jobwechsel, der Mitarbeit in einem spannenden Projekt oder der Übernahme eines Ehrenamts. Ansonsten kannst du dir eine solche Situation aber auch selbst aktiv schaffen. Schließe dich einem Netzwerk an, suche dir ein neues Hobby oder besuche einen Kurs in der Hundeschule. Es sollten auf jeden Fall Menschen da sein, die dich noch nicht oder noch nicht gut kennen.

 

Wichtig ist auch, dass du dich von deinem alten Ich verabschiedest. Außerdem sollte dein neues Ich auch äußerlich sichtbar sein. Such dir Kleidung aus, die zu dir passt und lass dir die Haare so frisieren, wie du sie schon immer haben wolltest. Du hast keinen Bock mehr auf Schminke? Dann lass es.

 

Wenn Tag X gekommen ist: Los geht’s! Du schaffst das! Und was im neuen Umfeld klappt, klappt auch im gewohnten. Lass deine selbstbewusste Seite nach und nach einfließen. Dann ist es für deine Familie und Freunde kein ganz so großer Schock 😉

 

Frage dich also: Wie ist dein altes Ich? Was davon willst du behalten? Wer willst du zukünftig sein? Wann fängst du damit an? Schreib es am besten auf.

Tipp 3: Kleine Erfolge feiern

Jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt. Du wirst nicht von jetzt auf gleich selbstbewusster sein, auch wenn das nach Tipp 2 so aussieht. Aber auch da wirst du Rückschläge einstecken und an deinem eingeschlagenen Weg zweifeln. Das macht aber nichts, wir sind alle nicht als Meister vom Himmel gefallen. Fange lieber klein an und steigere dich kontinuierlich. Suche dir z. B. einzelne Situationen, in denen du dich in Selbstbewusstsein „üben“ willst und leg los. Hat es mal nicht so geklappt, wie du es dir gewünscht hast, geht die Welt auch nicht unter. Schau dir die Situation hinterher einfach noch mal genau an, in deinem Kopfkino. Nimm wahr, was nicht geklappt hat, aber auch, was schon gut gelaufen ist. Und dann – Haken dran!

 

Wichtig ist, dass du auch kleine Erfolge wahrnimmst und wertschätzt. Sehr hilfreich ist es auch, wenn du diese Erfolge visualisierst – mit einem Foto oder einer Zeichnung oder auch nur einem Schlagwort. Vielleicht willst du dir eine Erfolgswand im Wohn- oder Schlafzimmer aufhängen, auf der du deine Erfolge sammeln kannst. Du wirst staunen, wie viel da in kurzer Zeit zusammenkommt. Das gibt dir noch mal einen Extraschub 🙂 Oder schreibst du gerne? Dann führe doch ein Erfolgstagebuch. Dort kannst du jederzeit nachlesen, was du schon geschafft hast.

 

Überlege dir: In welchen Situationen wärst du gern selbstbewusster? Welche Schritte kannst du gehen, um dorthin zu kommen? Wie kannst du deine Erfolge festhalten?

Tipp 4: Einfach machen

Du weißt, dass negative Gedanken blockieren. Hatten wir ja schon. Du weißt auch, dass der erste Schritt immer der schwierigste ist. Wir grübeln zu oft und zu viel darüber nach, was alles passieren könnte. Bis uns der Mut verlässt. Den brauchen wir aber oft einfach, um den ersten Schritt machen zu können. Ständig kauen wir auf dem Problem herum, anstatt uns mit der Lösung zu beschäftigen.

 

Lenke deine Gedanken doch mal in eine andere Richtung. Such dir eine konkrete Situation aus, in der du selbstbewusst auftreten willst oder auch etwas, dass du noch nie gemacht hast. Vielleicht ein Gespräch mit deinem Chef. Oder beim Arzt anrufen, um einen Termin zu vereinbaren (ja, das fällt manchen durchaus schwer, war bei mir früher auch so). Stell dir die Situation möglichst konkret vor, live und in Farbe: Wie sieht es dort aus? Wer steht wo? Wer sagt was? Wer reagiert wie? Spiele mehrere Alternativen durch, wenn du magst. Entscheide dich für den idealen Ablauf und spiele ihn immer wieder durch. Und dann: lauf los!

 

Wie sieht es bei dir aus: In welchen Situationen willst du dein Selbstbewusstsein testen? Was willst du „einfach mal machen“? Nimm dir jede Woche 1 bis 2 Macher-Aufgaben vor und setze sie um. Halte deine Erfolge fest!

Tipp 5: Anker setzen

Ich habe es im ersten Tipp schon angesprochen, negative Gedankenmuster lassen sich durch positive ersetzen. Dieser Prozess nennt sich im Coaching Ressourcenarbeit. Wir betrachten, welche Stärken und Fähigkeiten du bereits in dir hast, um dein Problem zu lösen. Wir schauen z. B. auch, in welchen Phasen deines Lebens du vielleicht schon mal selbstbewusst warst oder auch noch bist. Dann suchen wir eine konkrete Situation heraus. Diese stellst du dir so detailliert und so intensiv wie möglich vor. Im Moment des intensivsten Empfindens setzt du dann deinen Anker.

 

Anker sind nichts Außergewöhnliches. Jeder von uns hat welche. Im Grunde steckt dahinter nichts anderes, als Konditionierung. Du kennst vielleicht das Experiment mit dem Hund und der Glocke? Die Hundebesitzer wissen, wovon ich rede, aber alle anderen erinnern sich sicher noch dunkel an das entsprechende Kapitel aus dem Biologie-Unterricht. Auch bei uns Menschen gehört Konditionierung zum Alltag. Du hältst z. B. an, wenn du ein Stopp-Schild auf der Straße siehst (solltest du zumindest). Du verknüpfst den Geschmack eines bestimmten Essens mit einer Situation aus deiner Kindheit. Ein bestimmtes Lied ruft schöne Erinnerungen in dir hervor. Du verstehst, was ich meine?

 

Es gibt unterschiedliche Arten von Ankern: visuelle (Stopp-Schild), gustatorische (den Geschmackssinn betreffend), akustische (Musik) oder kinästhetische Anker. Im Coaching arbeite ich hauptsächlich mit letzteren. Der Anker stellt dann eine bestimmte Berührung dar, die du ausführst, um das positive Gefühl herzustellen. Beispielsweise berührst du dein rechtes Knie, oder dein linkes Ohrläppchen, etc. Diesen Anker kannst du dann in jeder beliebigen Situation einsetzen (in Gesprächen mit dem Chef, bei Präsentationen oder Bühnenauftritten). Du zweifelst daran, ob das funktioniert? Denk an die oben genannten Beispiele 🙂

 

Ich kann das Thema an dieser Stelle nur sehr kompakt darstellen. Ich empfehle dir sowieso, das Ankersetzen zumindest am Anfang unter Anleitung auszuprobieren. Mit ein bisschen Übung kannst du es dann auch gut allein durchführen.

Das waren meine 5 Tipps für dich, wie du zu mehr Selbstbewusstsein gelangen kannst. Wenn du noch mehr brauchst oder du dir Unterstützung bei der Umsetzung wünschst, lass uns doch mal quatschen.

 

Ach so, ich wollte dir ja noch verraten, wie ich es geschafft habe, selbstbewusster zu werden.

 

Zunächst einmal habe ich irgendwann mal einen Neuanfang gemacht. Einfach so. Das funktioniert wirklich, glaube mir. Damals war ich mit der Schule fertig und habe eine Ausbildung begonnen. Dort kannte niemand die alte Carina. Und hat sie auch (bis auf wenige Ausnahmen) nicht kennen gelernt 🙂 Außerdem bin ich gut in Vorstellungsarbeit. Ich kann mir Situationen immer wieder ausmalen und auch zum positiven verändern (das funktioniert super mit Situationen, in denen es mal nicht so gut geklappt hat).

 

Für Situationen, in denen ich mich unsicher fühle, habe ich einen sehr wirkungsvollen akustischen Anker: ein bestimmtes Lied, dass ich in meinem Kopf abspiele, wenn ich es brauche. Quasi mein eigener Soundtrack. Die Musik macht mich größer, stärker, selbstbewusster. Außerdem funktioniert bei mir – wie bei meinem Hund auch – ein ausgeklügeltes Belohnungssystem, am liebsten Essen oder eine entspannende Massage.

 

Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es immer noch diesen ultimativen Tipp: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Tu einfach selbstbewusst! Wie es in dir aussieht, geht keinen was an.

 

Mit diesem Artikel hast du mal wieder einen persönlichen Blick auf mich und meine Arbeit bekommen. Ich habe dir eine Menge Tipps für mehr Selbstbewusstsein gegeben, vielleicht sogar mehr als 5 🙂 Ich wünsche dir viel Spaß (denn den solltest du immer haben) beim Ausprobieren!

Was meinst du: Welche Tipps findest du hilfreich? Was willst du ausprobieren? Welche Erfahrungen hast du bis jetzt gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar 🙂

4 Kommentare

  1. Elke Dola

    Liebe Carina,
    sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit und wie es innen aussieht, geht niemanden etwas an. Da hast Du so Recht mit. Als Wirksamkeitscoach kann ich nur bestätigen, dass es funktioniert. Ich selbst gehöre ja auch zu der Gattung, schüchtern, aber keine soll es merken. Den gleichen Umbruch, den Du hingelegt hast, habe ich auch hinter mir. Nach der 10. Klasse habe ich die Schule gewechselt. Dort kannte mich niemand und ich bin einfach neu „reingekommen“, nach einem Monat war ich Klassensprecher. Ich. Das muss man sich mal vorstellen. Wir hatten vor 7 Jahren von der Schule, an der ich die fünfte bis zu zehnten besucht hatte und weißt Du was, ich wurde gefragt wer ich bin, sagte brav meinen Mädchennamen und sah in große Augen…. grübel, und äh, Du warst also in meiner Klasse ja? Es war mein damaliger heimlicher Schwarm, Hilfe. War wohl verdammt heimlich. Nun ja, es konnte sich außer der Klassenlehrerin niemand so recht erinnern. Puh. Hart oder? Ich hatte wirklich beschlossen, in der neuen Schule einfach anders zu sein, hat geklappt, was daraus geworden ist, siehste ja täglich:-) Also, liebe Leser, Carina hat in jedem einzelnen Punkt absolut recht.

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    • Carina Reitz

      Liebe Elke,

      vielen Dank für diesen wundervollen Erfahrungsbericht. Ich kann mich nur zu gut in die Situation hineinfühlen. Es ist Wahnsinn, welche Entwicklung du hingelegt hast – und das macht anderen Mut, es auch zu versuchen <3

      Herzliche Grüße
      Carina

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