Hast du in deinem Berufsleben schon mal an einer Mitarbeiterbefragung teilgenommen? Ich schon. Ich fand es immer toll, wenn ich als „kleines Licht“ die Möglichkeit geboten bekam, meine Meinung kundzutun und so zur Verbesserung des Unternehmenserfolgs beizutragen.

So viel zur Theorie. Praktisch endete ein solcher Prozess regelmäßig mit einer großen Portion Ernüchterung und dem Gefühl „da ist ja wieder nix bei raus gekommen“.

Für diejenigen unter euch, die bis jetzt nur wenige Berührungspunkte mit dem Thema haben, gebe ich nochmal einen kurzen Überblick. Wenn du dich schon auskennst, darfst du gerne zu Überschrift 3 springen – oder einen Soll-Ist-Vergleich anstellen 🙂

Wozu sind Mitarbeiterbefragungen eigentlich da?

Für Mitarbeiter ist die Teilnahme an einer Mitarbeiterbefragung in erster Linie eine gute Möglichkeit, um ihre Meinung kundzutun und zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen anzuregen.

Arbeitgeber verfolgen normalerweise mehrere Ziele, wenn sie eine Mitarbeiterbefragung durchführen. Natürlich geht es auch darum, die allgemeine Stimmung zu erfragen. Daneben sollen aber auch die Wirksamkeit von durchgeführten Maßnahmen kontrolliert, das Qualitätsmanagement unterstützt und das Image des Unternehmens verbessert werden.

Nicht jedes Unternehmen führt Mitarbeiterbefragungen durch. Das hängt von der Größe des Unternehmens, der Anzahl der Mitarbeiter, dem Interesse an solchen Befragungen und letztendlich den zur Planung und Durchführung erforderlichen Mitteln ab. Zudem muss der Betriebsrat (sofern es einen gibt) bereits im Vorfeld in den Prozess eingebunden werden.

Welche Themen werden in einer Mitarbeiterbefragung behandelt?

Diese Themenbereiche werden üblicherweise in einer Mitarbeiterbefragung beleuchtet:

  • Unternehmensstrategie
  • Arbeitsbedingungen und Arbeitszeit
  • Work-Life-Balance
  • Zusammenarbeit im Team und teamübergreifend
  • Kommunikationsverhalten und Informationsfluss
  • Führung
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • berufliche Entwicklung

 

Darüber hinaus werden in den letzten Jahren vermehrt Fragen zur Arbeitsbelastung und zum Gesundheitszustand der Mitarbeiter gestellt.

 

Welche Fehler treten im Rahmen von Mitarbeiterbefragungen immer wieder auf?

Der Erfolg von Mitarbeiterbefragungen hängt maßgeblich mit der Kommunikation im Unternehmen zusammen. Die Mitarbeiter sollten bereits im Vorfeld über die Durchführung informiert werden und für die Teilnahme sollte ausreichend Zeit zur Verfügung gestellt werden. Das wichtigste ist aber, dass die Ergebnisse einer Befragung den Mitarbeitern vorgestellt werden und gemeinsam an der Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen gearbeitet wird. Aber gerade in diesem Bereich gibt es die meisten Schwierigkeiten. Nach meiner Recherche und meinen eigenen Erfahrungen treten hier immer wieder die gleichen Fehler auf. Hier sind die

TOP 5 des schlechten Umgangs mit Mitarbeiterbefragungen

  1. Fehlende Transparenz

Die Mitarbeiter werden im Vorfeld nur wenig informiert, die Mitarbeiterbefragung wird „im Vorbeigehen“ gestartet. Hat man es dann doch geschafft, seine Meinung abzugeben, passiert erst mal nichts. Man wartet auf die Ergebnisse – und bis sie dann endlich da sind, hat man schon fast wieder vergessen, dass es eine Befragung gegeben hat. Ganz zu schweigen davon, dass man sich noch genau erinnern kann, was man geantwortet hat. Wenn es dann noch ganz dumm läuft, bekommt man die Ergebnisse einfach als aufbereitete PowerPoint-Präsentationen per Mail zugeschickt – ohne nähere Erläuterungen, ohne Diskussion und ohne Verbesserungsmaßnahmen.

 

  1. Ausreden und fadenscheinige Begründungen

Es ist passiert, die Ergebnisse einer Befragung sind eher suboptimal ausgefallen. Anstatt sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen und bei den Mitarbeitern nachzufragen, flüchten sich Führungskräfte in Ausreden und finden fadenscheinige Begründungen, warum die Antworten auf eine Frage so schlecht ausgefallen sind. Da wird schon mal viel Zeit darauf verwendet zu überlegen, auf wie viele verschiedene Weisen eine Frage zu interpretieren gewesen wäre. Oder den Mitarbeitern wird zum Zeitpunkt der Abstimmung einfach schlechte Laune unterstellt. Oder man kann als Chef an dem Sachverhalt sowieso nichts ändern, weil es sich um eine „Vorgabe von oben“ handelt.

 

  1. Verantwortung auf die Mitarbeiter abschieben

Die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung sollen in der Regel kommuniziert werden. Daraus sollen dann gemeinsam mit den Mitarbeitern Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen abgeleitet werden. Führungskräfte geben die Verantwortung dafür gerne mal komplett an die Mitarbeiter ab. Es werden diverse Arbeitsgruppen gegründet, die sich um die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen kümmern sollen. Das scheitert dann aber oft an der Akzeptanz durch die Kollegen oder auch des Chefs, oder es kommt der „normale“ Arbeitsalltag dazwischen.

 

  1. Mitarbeiter und deren Feedback nicht ernst nehmen

Es gibt Führungskräfte, die dazu neigen, die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung abzuwerten. Da werden einzelne Sachverhalte als nicht mehr relevant eingestuft oder als „Minderheitsvotum“ abgetan. Einer meiner Favoriten ist in diesem Zusammenhang die Aussage „Dieses Ergebnis kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass müssten eigentlich 100% sein.“ Wie sollen sich die Mitarbeiter bei einer solchen Aussage fühlen?

 

  1. Ignoranz

Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Chefs, die die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung komplett ignorieren. Die Ergebnisse werden nicht besprochen und es werden erst recht keine Verbesserungsbereiche identifiziert.

Was kannst du als Chef tun, um es besser zu machen?

Viele Führungskräfte sind der Meinung, dass sie nur wenig an den Arbeitsbedingungen ändern können. Dabei hat der direkte Vorgesetzte immer die Möglichkeit, gemeinsam mit seinem Team Maßnahmen zu gestalten und erfolgreich umzusetzen. Wie du das schaffen kannst, beschreiben diese

TOP 5 des wertschätzenden Umgangs mit Mitarbeiterbefragungen

  1. Halte deine Mitarbeiter auf dem Laufenden!

Kündige eine Mitarbeiterbefragung frühzeitig an. Liefere Erläuterungen zum Ablauf und den Rahmenbedingungen und beantworte Verständnisfragen. Motiviere deine Mitarbeiter dazu, an der Befragung teilzunehmen. Informiere sie darüber, wann sie mit der Veröffentlichung der Ergebnisse rechnen können und erkläre, wie ihr im Team damit arbeiten werdet.

 

  1. Ertrage die Wahrheit!

Nimm die Ergebnisse so, wie sie sind. Nutze sie als Chance. Hör auf, Ausreden zu finden und frage deine Mitarbeiter stattdessen direkt, wo sie Verbesserungspotentiale sehen und was du als Chef verbessern kannst. Hinterfrage nicht die Fragen, sondern die Antworten.

 

  1. Kehre vor deiner eigenen Tür!

Natürlich ist es sinnvoll, geeignete Maßnahmen gemeinsam mit den Mitarbeitern abzuleiten. Die Betonung liegt dabei auf GEMEINSAM. Als Führungskraft solltest du dich in diesen Prozess einbringen und vor allem solltest du für dich überlegen, wo dein Beitrag zu den Ergebnissen der Befragung liegt. Wie sehen dich deine Mitarbeiter? Wie ist dein Führungsverhalten? Was kannst du gut? Was solltest du verbessern?

 

  1. Hör zu!

Die Menschen, die an der Mitarbeiterbefragung teilgenommen haben, arbeiten unmittelbar mit dir zusammen. Frage sie direkt, warum die Ergebnisse so ausgefallen sind, wie sie sich darstellen. Sie können es dir sagen, du musst keine wagen Vermutungen anstellen. Übrigens: wenn du das ganze Jahr über mit deinen Mitarbeitern im Dialog stehst und ihnen gut zuhörst, werden dich die Ergebnisse nicht überraschen. Vermutlich wirst du dann aber auch keine schlechten Ergebnisse bekommen 😉

 

  1. Sei kein Arschloch!

Nimm die Ergebnisse ernst. Mache sie transparent. Besprich die Verbesserungsbereiche gemeinsam mit deinen Mitarbeitern und leitet konkrete Maßnahmen ab. Arbeite selbst aktiv an der Umsetzung dieser Maßnahmen. Falls du das alles nicht kannst: überlege dir, ob du als Führungskraft geeignet bist.

Das sind meine Do’s and Don‘ts für Führungskräfte zum Umgang mit Mitarbeiterbefragungen. Das eine oder andere mag dir vielleicht komisch oder auch radikal erscheinen. Mir ist es wichtig, dich zum Nachdenken anzuregen und dir Tipps mit auf den Weg zu geben, die du praktisch umsetzen kannst. Wenn dir etwas an deinen Mitarbeitern liegt und du weißt, wie wichtig es ist, ein motiviertes Team zu führen, wird dir die Umsetzung nicht schwer fallen. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Lass mich wissen: Welche Erfahrungen hast du mit Mitarbeiterbefragungen gemacht – als Führungskraft oder als Mitarbeiter? Was läuft in deinem Unternehmen gut? Was sollte verbessert werden? Schreib mir in den Kommentaren.

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